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Artikel
6. Dez. 2023

Wirtschaftlichen Erfolg neu denken

von Annelie Graf und Jana Strüve
Wirtschaftlicher Erfolg muss neu gedacht und weiterentwickelt werden - eine abstrakte weiße Spirale.

Wer wirtschaftlichen Erfolg in neuen Dimensionen denkt, kann unternehmerischen Mut und Pioniergeist beweisen – und dadurch neue Potenziale und Neues Wachstum entfalten.

Wie kann wirtschaftlicher Erfolg neu gemessen und definiert werden? Und die sozialen und ökologischen Faktoren stärker in den Fokus gerückt werden? Fragen, die momentan auf wirtschaftspolitischer Ebene stark diskutiert werden. Denn klar ist: Wachstum, wie wir es bisher definieren, geht mit zunehmender Umweltbelastung einher und verursacht damit enorme Kosten.

Auch immer mehr Unternehmen stellen sich die Frage, wie Erfolg jenseits der altbekannten Wachstumszahlen neu gemessen werden kann und begreifen dies als Chance für unternehmerisches Handeln.

Ein Ansatz, wirtschaftlichen Erfolg neu zu verstehen, ist durch das Leitbild des Gemeinwohls. Doch was genau ist damit gemeint? Gemeinwohl bezieht sich auf das Interesse und Wohl der gesamten Gesellschaft – im Gegensatz zu den Interessen einzelner Personen oder Gruppen. Dabei ist umstritten, ob sich das Gemeinwohl aus der Summe aller Einzelinteressen ergibt und als “das Wohl aller” bezeichnet werden kann – oder ob es einen eigenständigen Charakter hat.

Theoretische Konzepte und Zertifizierungen bieten erste Ansätze und Ideen, wie Unternehmen ihr Handeln stärker am Gemeinwohl ausrichten können. Die Doughnut Economics nach Kate Raworth als wirtschaftswissenschaftliche Theorie, geht von der Existenz planetarer und sozialer Grenzen aus und verortet in diesen jeweils einen gerechten und sicheren Handlungsraum. Ein weiteres Beispiel ist die Gemeinwohl Ökonomie als ein alternatives Wirtschaftsmodell mit dem Ziel einer ethischen Wirtschaftskultur, deren Erfolgskriterien im Gemeinwohl verankert sind. Im Rahmen der Gemeinwohl Ökonomie lassen sich Unternehmen anhand einer Gemeinwohl-Matrix bilanzieren und können ihren Status Quo prüfen. So gibt es eine Vielzahl weiterer Theorien, die alternative Vorschläge für ein gemeinwohlorientiertes Wirtschaften aufzeigen. Darüber hinaus gibt es Zertifikate wie Benefit Corporation (BCorp), die durch externe Begutachtung das unternehmerische Handeln überprüfen und für besondere soziale und ökologische Auswirkungen auszeichnen.

Die Auseinandersetzung mit dem Leitbild des Gemeinwohls und damit mit neuen Dimensionen wirtschaftlichen Erfolgs kann für Unternehmen neue Wachstumschancen jenseits rein ökonomischer Kennzahlen eröffnen.

Gemeinwohl als neue Messgröße für unternehmerischen Erfolg

Der politische und gesellschaftliche Druck auf Unternehmen, sich langfristig nachhaltig auszurichten, nimmt zu. Regelungen, wie die seit Anfang 2022 geltende EU-Taxonomie zur Klassifizierung nachhaltiger Wirtschaftsaktivitäten sowie die von den Vereinten Nationen definierten Sustainable Development Goals (SDGs) geben Unternehmen eine erste Orientierung, um sich nachhaltig auszurichten. Darüber hinaus werden Unternehmen zunehmend in die Pflicht genommen, beispielsweise über Environmental, Social and Governance-Faktoren (ESG-Faktoren) zu berichten.

Neben den externen Rahmenbedingungen kann die intrinsische Motivation von Unternehmen ein weiterer Anreiz sein, den unternehmerischen Erfolg an neuen Dimensionen auszurichten. Um das langfristige Wachstum zu sichern und innerhalb der planetaren Grenzen zu wirtschaften, müssen Unternehmen Erfolg über die reine Gewinnmaximierung hinaus begreifen. Erfolg kann in Zukunft nicht mehr losgelöst vom Gemeinwohl betrachtet werden, sondern muss im Kontext von Klimazielen, Diversität, Transparenz, Mitbestimmung, Solidarität und Gerechtigkeit verhandelt werden.

So sieht zum Beispiel der Koalitionsvertrag vor, dass die Deutsche Bahn die Schieneninfrastruktur gemeinwohlorientiert organisiert. Dadurch soll „die Gewinnabführung aus dem Netz der Deutschen Bahn unterbunden werden“. Der Outdoor-Ausrüster VAUDE ist ein weiteres Beispiel für ein Unternehmen, das seinen Beitrag zum Gemeinwohl erfasst. Dies geschieht mit Hilfe der Gemeinwohlbilanz, mit der das Unternehmen seinen Beitrag zum Gemeinwohl systematisch und in einem umfassenden Auditierungsprozess erfasst.

Erster Schritt: Mehr Gemeinwohl in den Unternehmens-KPIs

Neben alternativen Wirtschaftsmodellen und externen Zertifikaten können auch bereits im Unternehmen verankerte Strukturen gemeinwohlorientierter gestaltet werden. Beispielsweise in den KPIs. Der Einsatz von KPIs (Key Performance Indicators) ist eine etablierte Methode, um Leistung, Auslastung und Geschäftserfolg kontinuierlich zu überwachen und messbar zu machen. Diese Eigenschaften machen sie zu einem geeigneten Instrument, um das Gemeinwohl aktiv in die Unternehmensstrategie zu integrieren. Bislang werden ökologische und soziale Nachhaltigkeitsaspekte in den KPIs vieler Unternehmen jedoch nur unzureichend berücksichtigt.

Um sicherzustellen, dass Gemeinwohl nicht nur als Nebenziel, sondern als integraler Bestandteil der Unternehmensstrategie betrachtet wird, können spezifische KPIs helfen. Nur so können Unternehmen ihre Fortschritte in diesem Bereich verfolgen, Verantwortung übernehmen und langfristig erfolgreich und nachhaltig sein.

Neue KPIs könnten z.B. Transparenz und Mitbestimmung in der Lieferkette, Sinn und soziale Wirkung von Produkten und Dienstleistungen oder die Reduktion von Umweltbelastungen sein. Neue Steuerungssysteme können als Hebel für Neues Wachstum dienen und damit innovative Handlungsdimensionen für Unternehmen eröffnen. Das Ausloten solcher Handlungsdimensionen kann für Unternehmen der erste Schritt auf dem Weg zu neuen KPIs - und damit zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Gesellschaft, Umwelt und Wirtschaft – sein.

Gerne begleitet diffferent Unternehmen auf dem Weg zu neuen Handlungsdimensionen und hilft dabei das KPI Set zu erweitern.

Wir freuen uns über Projektanfragen

Daniel Schlee,

Business Partner Sustainability Transition