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24. Apr. 2024

Skepsis als Chance: Die 6 Magic Moves um Widerstand als Motor für Veränderung zu nutzen

von Nico Rudorf und Carolin Hauke
Magic Moves: Widerstand kann als wertvolle Ressource genutzt werden.

„Oh Gott, wir haben in der Abteilung echt schwierige Menschen. Da müssen wir vorsichtig sein.“ So sagte es letztens eine Kundin. Transformationsvorhaben klingen in Powerpoint meistens wunderbar: Der Plan für den Weg in die schöne, neue Welt steht, jede Intervention ist liebevoll durchkonzipiert, alle sollen jetzt bitte begeistert mitmachen. Doch der Fliesenboden der Realität ist hart. Skepsis, Verwirrung und Widerstand schlagen Wandel und Weiterentwicklung entgegen. Was ist denn hier bitte los?

In Veränderungsprozessen spielen skeptische Stimmen eine entscheidende Rolle. Statt sie als Hindernis zu betrachten und sich vor den vermeintlich Widerborstigen wegzuducken, können sie als wertvolle Quelle für Informationen und kritische Reflexion dienen.
Wir sind überzeugt: Reibung tut gut, also nutze den Moment. Kontroversen offenbaren Schwachstellen in der Transformation und zeigen, wo nachgearbeitet werden muss, um den Wandel erfolgreich zu durchlaufen.

Skeptiker:innen sind übrigens keine Minderheit. Bei Veränderungsprozessen haben wir es in der Regel mit 15% Zustimmer:innen, 70% Skeptiker:innen und 15% Ablehner:innen zu tun. Grund genug, sich mit diesem Teil des Teams auseinanderzusetzen und in den Austausch zu gehen. In diesem How-to-Artikel zeigen wir, wie man Widerstand als Motor für den Wandel nutzen kann und geben 6 praktische Tipps, um Skeptiker:innen aktiv einzubeziehen.

Symptome des Widerstands deuten: Die Wandelmatrix.

1. Wieso, weshalb, warum

Bevor du Maßnahmen ergreifst, um skeptische Mitarbeiter:innen einzubinden, musst du ihre Bedenken und Motive verstehen. Führe Gespräche, organisiere Workshops und nutze die Ansätze und Fragen des systemischen Coachings, um die Gründe für Skepsis und Ablehnung zu erforschen. Diese einfache Matrix hilft, Symptome zu deuten und Ableitungen zu treffen („Managing Complex Change Modell“ nach Dr. Mary Lippert, 1987).
Wenn z.B. Frust auftaucht, sind Vision, Fähigkeiten, Anreize und nächste Schritte meistens klar, aber es fehlt an Ressourcen - also an Zeit, Geld oder nötigem Personal, die Veränderung umzusetzen. Während wenn Verwirrung auftaucht, oft die übergeordnete Vision noch nicht (allen) klar ist.

2. Im Zweifel für den Zweifel

Etabliere Kanäle und Formate, in denen Skeptiker:innen ihre Bedenken ohne Sorge vor Sanktionen äußern können. Dies kann in Form von Workshops, Retrospektiven, Diskussionsforen oder Feedback-Gesprächen erfolgen. Der Fokus sollte darauf liegen, eine Atmosphäre des Respekts und der konstruktiven Kritik zu schaffen. Impulse und Trainings zur Stärkung der Konflikt- und Diskussionskultur sowie zur gewaltfreien Kommunikation sind hierfür hilfreich.
Wirkungsvoll, aber auch mutig: Ein:e Kund:in aus der Mobilitätsindustrie organisiert regelmäßig „Fight Clubs“, in denen Mitarbeitende in Debatten ganz bewusst und überhöht die Dafür- und Dagegen-Position einnehmen dürfen. So schlagen Argumente oft über die Stränge, schärfen aber schnell den Blick für die eigentlichen Knackpunkte.

3. Mach mit, mach‘s besser

Organisiere Formate, bei denen Mitarbeiter:innen aktiv an der Gestaltung des Wandels und der Entwicklung von Lösungen beteiligt sind. Das können z.B. Ideen-Hackathons, Soundings oder Barcamps sein. Durch die Einbindung in partizipative Formate fühlen sich Skeptiker:innen gehört und haben die Möglichkeit, ihre Perspektive einzubringen. So werden Kritiker:innen zu Mitgestalter:innen. Inklusive der schönen Nebenwirkung, dass sich jemand, der etwas mit aufgebaut hat, schwerer damit tut, es kaputt zu treten.

4. Hello, hello, turn the radio on

Halte die gesamte Belegschaft regelmäßig über den Fortschritt des Veränderungsprozesses auf dem Laufenden. Kläre die Ziele, den Nutzen und die Konsequenzen der Veränderungen und stell sicher, dass alle Mitarbeiter:innen wissen, was von ihnen erwartet wird. Selbst wenn es dir ab und an aus den Ohren rauskommt, es lohnt sich in diesem Fall Dinge dreimal zu erzählen.

5. It’s a long way to the top (if you wanna Rock’n’Roll)

Veränderung braucht Zeit. Sei geduldig und kontinuierlich in deinen Bemühungen, Skeptiker:innen einzubinden und zu unterstützen. Gib ihnen Raum für Reflexion und biete kontinuierliche Unterstützung durch Schulungen und Ressourcen. Bedenke auch, dass Change nie linear verläuft, sondern baue Zeit für Reflexionsschleifen und Iterationen ein.

6. Well done, my friend!

Vergiss nicht, die Beiträge skeptischer Mitarbeiter:innen zu würdigen. Anerkennung und Wertschätzung stärken ihr Engagement und ihre Motivation, sich aktiv am Wandel zu beteiligen.

Widerstand als Ressource

Wir wissen, dass Widerstand anstrengend ist und manchmal richtig nervt. Aber wenn du skeptische Stimmen als wertvolle Ressource für den Wandel betrachtest, kannst du die positive Veränderung in der Organisation fördern und zusätzlich eine Atmosphäre des Vertrauens und der Zusammenarbeit schaffen.

Du willst die Skeptiker:innen in deinem Transformationsprozess als Schubkraft für dein Transformationsvorhaben nutzen? Dann melde dich bei uns für ein Beratungsgespräch.

Wir freuen uns über Projektanfragen

Christian Seeringer,

Business Partner Corporate Strategy & Future Organizations

Porträtfoto von Christian Seeringer